Aktionstag für Blinde und Sehbehinderte: Startschuss für Führungen mit allen Sinnen

Blinde und Sehbehinderte erfühlen Exponat

Zu einem ersten Aktionstag für Blinde und Sehbehinderte lud das Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim im August 2019 in die Festung ein. Mit Unterstützung des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen e. V. (BSBH) gestaltete das Museum zwei mehrsinnliche Führungsangebote, die zum Bestandteil des ständigen Programms wurden. Die Ausstellungen auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigung erlebbar zu machen, das war das Ziel dieser erfolgreichen Kooperation.

Die Besucher*innen, angereist aus unterschiedlichen Regionen Hessens, begaben sich „Auf den Spuren der Landsknechte durch die Festung“. Sie erkundeten die Ausstellung zur Festungsgeschichte und hatten Gelegenheit, verschiedenste Exponate zu ertasten. Auch der herrschaftliche steinerne Tasselmantel auf der Grabplatte des im 12. Jahrhundert verstorbenen Grafen Diether von Katzenelnbogen gehörte zu den erlebbaren Stücken. Die Schwere eines echten gräflichen Wollmantels konnten die Museumsgäste anhand einer nachgenähten Replik anschließend sogar selbst auf den eigenen Schultern spüren. Auch die Kleidung, die Bewaffnung und der Alltag der früheren Landsknechte stießen auf großes Interesse.

Das zweite Angebot „Von Werkbänken, Dampfmaschinen und Zichorienkaffee“ führte in die Industriegeschichte vom Handwerker bis in die globalisierte Welt von heute. Auf ihrer Reise durch die Zeit lernten die Teilnehmer*innen das vielfältige Sortiment eines Rüsselsheimer Dorfschmieds vor 150 Jahren kennen. „Haarigen“ Geschichten aus Rüsselsheim begegneten sie bei der Manufaktur der alten Hasenhaarschneiderei und sie erfuhren von den harten Arbeitsbedingungen der jungen Frauen, dabei konnten sie sogar einen Zylinder aus echtem Hasenhaar anprobieren. Und wer noch nie echten Zichorienkaffee gekostet hatte, bekam jetzt die Gelegenheit dazu. Schließlich erkundete die Gruppe noch die Folgen der Globalisierung anhand eines modernen Autositzes mit Einzelteilen aus zehn verschiedenen Ländern.

Das Fazit des Blindenaktionstages war einhellig: Ein sehr interessanter Tag, den man gern wiederholen könnte.


Urban Sketching in Rüsselsheim: gemeinsam malen, zeichnen, ausprobieren

Natur und Stadtlandschaft, Technik und Maschinen oder Szenen städtischen Lebens mit Pinsel und Stift einzufangen, darum ging es bei den Urban Sketching-Angeboten im Rahmen des Projekts „StadtMuseum inklusive“.

An verschiedenen Orten der Stadt trafen sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit und ohne Beeinträchtigung unter fachkundiger Leitung und sammelten Erfahrungen mit dem Malen und Zeichnen unter freiem Himmel. Vor Ort führten die Illustratorinnen Jenny Adam, Clara Schuster und Katja Rosenberg von den Urban Sketchers Rhein-Main Anfänger und Fortgeschrittene in unterschiedlichste Techniken ein:

Malen mit Aquarellfarben am Landungsplatz, Tuschezeichnungen im Verna-Park, das Malen auf farbigem Papier beim Opel-Denkmal sowie Experimente mit Licht und Schatten standen auf dem Programm. Auch die Ausstellungsstücke des Museums selbst erschienen im Workshop „Material und Oberfläche. Mattes und Glänzendes“ in ganz neuem Licht.

Am Ende der Nachmittage waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um zahlreiche Bilder und Anregungen reicher.


Lebendiges Museum: Theater am laufenden Band!

Mit dem inklusiven Wochenend-Workshop „Theater am laufenden Band“ lud das Museum zu einer besonderen Premiere ein: Theater spielen im Museum. Begleitet von den Tanz- und Theaterpädagoginnen Valerie Sauer und Priska Janssens stimmte sich die Gruppe aus Menschen mit und ohne Beeinträchtigung mit Spaß an der Bewegung auf das Bühnenspiel ein.

Inspiriert von der Ausstellung und den Schattenbildern der Wache schiebenden Landsknechte gestalteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Improvisationstheater kleine Szenen. Dem Gegensatz zwischen fließenden menschlichen Bewegungen und den mechanischen von Maschinen spürte die Gruppe in der Ausstellung nach. Am Beispiel der Fließarbeit ahmten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die automatisierten Bewegungsabläufe von Fabrikarbeitern nach und wurden so selbst zu einer menschlichen Maschine.

Nach einer im wahrsten Sinn bewegten Abschlussrunde endete das Theaterwochenende in der Festung. Viele neue Impulse und Eindrücke nahmen die frisch gebackenen Bühnenprofis mit nach Hause.


Ferienkinder bauen eine Mitmach-Maschine

Über 20 Kinder ohne und mit Unterstützungsbedarf, viele vom Hort des Vereins Werkstätten für Behinderte Rhein-Main e.V., verwandelten in den Osterferien die Festung Rüsselsheim in eine Konstruktionswerkstatt. Das gemeinsame Ziel des dreitägigen Workshops im Rahmen des Projekts „StadtMuseum inklusive“: Wir bauen eine Mitmach-Maschine! Wie diese Maschine schlussendlich aussehen sollte, entschieden allein die jungen Ingenieurinnen und Ingenieure. Der Kreativität wurde dabei freier Lauf gelassen.

Doch bevor es ans Basteln, Malen und Sägen ging, stand erst einmal Grundsätzliches auf dem Programm. Was ist eigentlich eine Maschine? Welche Maschinen gibt es und wie funktionieren sie? Antworten auf diese und viele weitere Fragen wurden in der Dauerausstellung des Stadt- und Industriemuseums gesucht. Ausgestattet mit zahlreichen neuen Informationen und Eindrücken ging es anschließend in der Museumspädagogik ans Werk.

Damit sich die Bewegungen der kleinen Bauwerke mit Kurbeln aus Kupferdraht einwandfrei umsetzen ließ, war viel Fingerspitzengefühl bei der Konstruktion gefragt. Mit Geduld feilten die Tüftlerinnen und Tüftler an ihren Maschinen.