Sammlung

Die bedeutende frühneuzeitliche Festung – als Standort des Stadt- und Industriemuseums zugleich sein imposantestes „Objekt“ – birgt das Gedächtnis der Stadt. Die Sammlung des Museums bewahrt mit einer Vielzahl aussagekräftiger und Geschichte(n) tragender Objekte die dingliche Überlieferung. Sie reicht vom hier ausgegrabenen steinernen Schaber eines Neandertalers bis zum Industrieroboter.

Wichtige Sammlungsschwerpunkte bilden insbesondere technikhistorisch aussagekräftige Maschinen und Objekte, welche die Lokal-, Sozial- und Alltagsgeschichte spiegeln. Einen Sammlungskomplex bildet die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeit.

Die Restauratorin kümmert sich um die Pflege der vielseitigen Objektgruppen – von Maschinen und Werkzeugen über Textilien und Kunstwerke bis zu alltäglichen Gebrauchsgegenständen oder Werbemitteln. Die Sammlung spiegelt die Geschichte des Ortes und der Stadt sowie ihrer industriellen Entwicklung. Zahlreiche archäologische Funde belegen die Geschichte der Festung oder erzählen von der Zeit, als Steinzeitjäger, bronzezeitliche Händler und später römische Soldaten die Region durchwanderten.

Im ebenfalls hier beheimateten Stadtarchiv werden Pläne, Dokumente und Fotos zur Stadt und Regionalgeschichte bewahrt.

Neues aus der Sammlung


Bad Homburg Desinfektions-Gin mit besonderer Beziehung nach Rüsselsheim

Im März dieses Jahres wurde nicht nur das Toilettenpapier knapp, sondern auch Desinfektionsmittel waren schnell ausverkauft. Brauereien und Brennereien fingen an, die dringend benötigte Flüssigkeit für Krankenhäuser, Seniorenheime und Supermärkte in der Region herzustellen. Unter ihnen war auch die Reichs-Post Bitter Manufaktur in Bad Homburg. Sie stellten ihren Betrieb auf die Produktion von Desinfektion-Gin nach Rezeptur der Weltgesundheitsorganisation her. Durch den hohen Alkoholgehalt von 71,7 Prozent eignet sich der Gin zum Desinfizieren, lässt sich aber auch als Getränk genießen. Der Desi Apotheker Dry Gin entpuppte sich für das Unternehmen als wahrer Retter in der Not, da durch die Schließung von Gaststätten und Hotels die Abnahme von alkoholischen Getränken abrupt stoppte.

Nicht nur als besonderes regionales Produkt in Zeiten von Corona haben wir den Desinfektions-Gin in die Sammlung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim aufgenommen. Es gibt auch eine Verbindung nach Rüsselsheim: Sophie Opel, die in der Schellerschen Gastwirtschaft in Dornholzhausen aufwuchs und deren Vater Fritz Scheller niemand anderes als der Erfinder des Reichs-Post Bitters war. Dornholzhausen war damals ein kleines Waldenserdorf mit 250 Einwohner*innen, heute ist es ein Stadtteil von Bad Homburg. Im Jahre 1843 richtete Sophies Vater im Hotel Scheller seine Weinbrennerei und Likörfabrik ein. Anlässlich der Gründung der Reichspost im selben Jahr vermarktete er das passende Getränk: Der Reichs-Post Bitter war geboren. Und vielleicht hat auch Sophie Opel mit einem Gläschen ihre Magenbeschwerden kuriert.

Das einst von Homburger Kurgästen genossene Getränk aus 43 Kräutern, Blüten und Wurzeln hat eine wechselhafte Geschichte und wurde zeitweise in Frankfurt produziert. Ende des 20. Jahrhunderts kehrt die Produktion nach Bad Homburg zurück und der Reichspost Bitter feierte 2018 sein 175-jähriges Jubiläum. Wegzudenken ist das „Posti“ genannte Kultgetränk von keiner Veranstaltung in Bad Homburg. Mit seiner besonderen Verbindung nach Rüsselsheim könnte der Kräuterlikör auch an Rüsselsheimer Tresen Fanpotenzial besitzen.