Kultur in Bewegung

Projektarchiv

Leben in Europa – zuhause in Rüsselsheim Rhein-Main

In nur vier Monaten entwickelten 13 Jugendliche der Alexander-von-Humboldt-Schule aus dem Stadtteil „Dicker Busch“ zusammen mit dem Pädagogen Harald Kuntze (Initiative Wiesbadener Medienzentrum e.V.) ein Interviewprojekt über das Weggehen aus einer anderen Heimat und das Ankommen in Rüsselsheim. Sie gingen auf Spurensuche in ihren Familien, ihrer Schule und ihrer Nachbarschaft: Wie war das, als die Eltern oder Großeltern aus Spanien, Griechenland, Portugal oder der Türkei in die Opel-Stadt kamen? Was verbinden die Menschen mit der Stadt am Main, in der die Kinder und Enkel aufwachsen, was mit den Herkunftsländern der älteren Generationen?

Im Projekt „Leben in Europa – zuhause in Rüsselsheim Rhein-Main“ verbanden die engagierten Jugendlichen Interviews, Fotos und dokumentarisches Material zu Kurzfilmen, die Schlaglichter auf die Lebensgeschichten in einer Stadtgemeinschaft werfen, die Menschen aus 126 Nationen verbindet.

Nach der Präsentation der Filme zum Abschluss des Projektes im Dezember 2017 im Stadt- und Industriemuseum werden die Filme ab Februar 2018 die Medienstation „Hafen der Erinnerung“ in der Dauerausstellung bereichern.

Das Kooperationsprojekt wurde gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Modellprojektes „Kulturkoffer“.

Lebenshungrig – wissensdurstig

Wer sich die letzten Tage in der Festung Rüsselsheim einfand, hat sie sicher schon entdeckt: eine Horde Grundschülerinnen und –schüler, die das historische Bauwerk an den Vormittagen unsicher macht. Die 20 Kinder aus den Rüsselsheimer Betreuungsschulen verbringen ihre Herbstferien unter dem Motto „Lebenshungrig – wissensdurstig“ im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim. Das Projekt findet im Rahmen des Förderprogramms Kulturkoffer des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst statt. Mit Hilfe des Förderprogramms möchte das Ministerium junge Menschen für Kultur begeistern. Unter den 60 Projektanträgern war auch das Rüsselsheimer Museum, das schließlich als eine von 28 Gruppen den Zuschlag für ihr Projekt rund um Nahrung und Ernährung erhielt.

Die allzeit verfügbare Versorgung mit Nahrungsmitteln erscheint heutzutage selbstverständlich. Im Supermarkt lässt sich alles Nötige und vieles mehr finden. Dass das nicht immer so war und dahinter auch heute noch aufwendige Prozesse und eine Menge Arbeit stecken, sollen die Mädchen und Jungen durch unterschiedlichste Aktivitäten selbst erfahren. Was kam eigentlich bei den früheren Festungsbewohnern – den Landsknechten – auf den Teller und in den Krug und warum ist das für uns heute so ungewöhnlich? Welche Vor- und Nachteile spielten Flüsse wie der Main bei der Beschaffung von Lebensmitteln und woher kommt eigentlich die Kartoffel? Diesen und weiteren spannenden Fragen wird in den zwei Wochen nachgegangen. Nicht nur in und um die Festung wird dabei geforscht: So besuchen die Schülerinnen und Schüler beispielsweise den Waldhof von Werner Stahl in Rüsselsheim-Bauschheim, der auf seinen Feldern 80 verschiedene Gemüsesorten anbaut. Als besonderes Highlight zeichnet sich der eigenhändige Bau zweier Lehm-Öfen, in dem anschließend eigenes Brot gebacken wird.

Die Erlebnisse, Entdeckungen und Erfahrungen werden dabei von den Schülerinnen und Schülern selbst auf Fotos festgehalten. Sie werden zum Abschluss des Projekts im Rahmen eines kleinen Festes auch den Eltern der teilnehmenden Kids präsentiert.

Gefördert von

Dingwelt.Klangstadt. Eine Kooperation von Musikschule Rüsselsheim und Stadt- und Industriemuseum.

Wie klingt Geschichte? Die Teilnehmenden zwischen 10-16 Jahren lassen sich im Museum Rüsselsheim von der Geschichte der Stadt und Industrie inspirieren und entwickeln unter Anleitung des Komponisten T. Köhler Motive, Klänge, melodische und rhythmische Strukturen, die am Ende zu einer tönenden Musikcollage zusammengesetzt werden. Im Herbst präsentieren die Teilnehmenden den Menschen ihrer Stadt die gemeinsam entwickelte Klangcollage. Die jungen Musiker_innen eröffnen neben dem Anschauen der Dingwelt im Museum neue Dimensionen der Klangwelt der Geschichte ihrer Stadt. Musikalischen Kreativität und das elementare Erleben von Musik stehen im Vordergrund des Projekts. Musik ist universell: Das Projekt ist offen für alle; das Spielen eines Instrumentes ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Phase 1, 17.09.2016, Museum: Ideensammlung der Teilnehmenden, danach Ausarbeitung durch den Komponisten.

Phase 2, 01.10.2016, Musikschule: Die Klänge, Melodien und Rhythmen werden zu einer klangvollen Collage zusammengesetzt.

Phase 3, 15.10.2016, Musikschule, Museum: Die Proben werden fortgesetzt, nochmaliger Besuch des Museums und Überprüfung der Ideen.

Phase 4, 29./30.10.2016, Museum, Musikschule: Intensiv-Workshop.

Phase 5, 05.11.2016, 17 und 19 Uhr, Museum: 2 Aufführungen des Werks.

Gefördert von

Bewegung wird Geschichte? Der Konflikt um die Startbahn West
Eine Zusammenarbeit des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim und des Historischen Seminars der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Als einzelne Bürgerinnen und Bürger zu Beginn der 1960er Jahre gegen den geplanten Ausbau des Frankfurter Flughafens initiativ wurden, war nicht absehbar, welches Konfliktpotential sich hier entwickeln würde. In den 1980er Jahren prägten die Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Fraktionen der Protestbewegung, politischen Parteien, Landesregierung, Polizei und Justiz die Debatten um gemeinschaftliche Güter und legitime Protestformen auch noch, als die Startbahn West 1984 längst eröffnet worden war. Sie mündeten in neuartige Strategien zur Konfliktbewältigung, aber der Ausbau des Flughafens findet kein Ende. Die Erinnerung an die bewegte Vergangenheit ist somit immer auch Teil gegenwärtiger Proteste. Darf man da von Zeitgeschichte sprechen? Oder ist die Startbahnbewegung nicht vielmehr Teil einer „hothistory“ – einer in der Gegenwart nicht abgeschlossener, mit Emotionen besetzter Geschichte? Im Rahmen quellenkundlicher Übungen beschäftigen sich Studierende der Universität Mainz zusammen mit dem Team vom Museum mit den verschiedenen Quellengattungen und einem bislang blinden Fleck der historischen Forschung: „Bewegung wird Geschichte? Der Konflikt um die Startbahn West“.Unter der Leitung von Dr. Freia Anders erhielten Studierende des Historischen Seminars im Laufe von zwei Semestern Einblicke in die Möglichkeiten, Zeitgeschichte zu erforschen.Ziel der Übungen war es, in die Arbeit mit zeithistorischen Archivalien, Zeitzeugen und musealen Exponaten einzuführen sowie an der Konzeption der Veranstaltungsreihe mitzuarbeiten. Erste Ergebnisse präsentierten die angehenden Historikerinnen und Historiker in den beiden Veranstaltungen Fiktionen neben Fakten: Eine literarische Reise durch die Protestgeschichte der Startbahn West am 1. Juni 2016 sowie beim „Sonntagsspaziergang“ reloaded am 5. Juni 2016.

Bunte Rüsseltiere und ein Papiertheater
Schulen und Museum gehen Bildungspartnerschaften ein
„Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ lautet der Titel eines Förderprogramms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das nun zwei museumspädagogische Projekte im Stadt- und Industriemuseum finanziert. Das Förderprogramm „MuseobilBox“, das in diesem Rahmen vom Bundesverband Museumspädagogik betreut wird, richtet sich besonders an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche.

In Rüsselsheim ist das Museum gleich mit vier Partnern ein Bildungsbündnis eingegangen. Gemeinsam mit der Grundschule Innenstadt und der Betreuungsschule Innenstadt bietet das Museum nachmittags einen Workshop an, bei dem ein bunter Papierdschungel, bevölkert mit den verschiedensten Rüsseltieren entsteht. In der Mitmachausstellung „Papier la Papp“, die ab Ende März im Museum gezeigt wurde, lernten die Kinder dabei alles über den Werkstoff Papier. Im kreativen Teil des Programms wurde nach Herzenslust geschöpft, gedruckt, gemalt, gefaltet und geklebt: Jedes Kind gestaltete ein Rüsseltier aus Papier und zusammen mit den Schulkameradinnen und -kameraden bunte Biotope.

Die Zusammenarbeit mit dem Museum liegt Schulleiterin Anette Claus von der Grundschule Innenstadt ebenso am Herzen wie Schulleiter Timo List von der Park-schule. In dem Projekt, das mit der Haupt- und Realschule und der Schulsozialarbeit des Ausbildungsverbunds Metall Rüsselsheim (AVM) gemeinsam aus der Taufe gehoben wird, sind Jugendliche aufgefordert, selbst ein Papiertheater zu entwerfen, zu gestalten und schließlich aufzuführen. Auch hier bildete die Papierausstellung im Museum den Ausgangspunkt. In der Nachmittagsbetreuung ist eine Gruppe interessierter Jugendlicher regelmäßig im Museum zu Gast, um das Theater zu „bauen“ und die Aufführung vorzubereiten. Unterstützt werden sie dabei von den Schulsozialarbeitern des ASM Rüsselsheim, der Museumspädagogin Ingeborg Lauterwasser sowie von professionellen Schauspielern, die mit einer Aufführung auf einem hundert Jahre alten Papiertheater auch den Startschuss für das Projekt geben.

Eine Weiterführung der Bildungspartnerschaft über sich anschließende museumspädagogische Projekte ist in Planung. Für die Schülerinnen und Schüler wurde das Museum zum selbstverständlichen Teil ihres Lebensraums. Mit Eltern und Geschwistern kamen sie auch außerhalb der Projektzeiten, um zu ihnen ihr Museum zu zeigen. Auf diesen Erfahrungen wollen wir aufbauen.

„Opa kam aus Hammelbach“
Pendler zwischen Acker und Akkord

In der neuen Dauerausstellung möchte das Museum die Herkunft der Opelarbeiter seit Ende des 19. Jahrhunderts darstellen: Zur Jahrhundertwende kam bereits mehr als ein Drittel der Beschäftigten aus dem Umland. Sie pendelten zunächst zwischen Rüsselsheim und ihren Heimatgemeinden in der engeren Rhein-Main-Region, dem hessischen Ried, Rheinhessen, oder dem Westerwald. Auffällig ist die hohe Zahl der abwandernden Arbeiter aus dem Odenwald, die sich in Rüsselsheim eine neue Existenz aufbauten.

Das Museum sucht nach Fotos und Erzählungen aus dieser Zeit. Was haben Oma und Opa über die Strapazen des Pendelns oder der Umsiedlung erzählt? Was überliefert die Familiengeschichte zu den Anfängen in Rüsselsheim? Und wer kann uns etwas über „Hammelbach am Main“ erzählen?

Feste bauen
Handwerk in der Frühen Neuzeit
Sommerferien 2011

An der bedeutenden Festung Rüsselsheim wurde vom 14. bis zum 17. Jahrhundert immer wieder Hand angelegt. Handwerker und zu Frondiensten verpflichtete Bauern reparierten und erweiterten die Anlage. Doch wie arbeiteten die Menschen ohne Bagger oder Bohrmaschine an dem Verteidigungswerk? Welche Rohstoffe standen zur Verfügung? Und wie lebte es sich in und mit der Festung? All dies erforschten und erfuhren 15 Mädchen und Jungen während einer Ferienwoche und übten sich in Fachwerkbau und in der Arbeit mit Stein.

Feuer vom Himmel
Zeitzeugenprojekt zu Luftschutz und Luftkrieg
2011

Schon lange bevor im Zweiten Weltkrieg die Front am Boden Rüsselsheim erreichte, wurde die Stadt zur Kampfzone. Alliierte Bomberverbände griffen Werke und Wohnviertel aus der Luft an. Wie empfanden die Rüsselsheimer und Rüsselsheimerinnen das Leben im Alarmzustand? Wie versuchten sie sich zu schützen? Welche Bedeutung hatten Kindheitserinnerungen aus dem Krieg oder Bunkererlebnisse für ihr späteres Leben?
Zahlreiche Rüsselsheimerinnen und Rüsselsheimer erzählten und übergaben Fotos und Objekte.

Mit der Kamera im romantischen Garten
Ein Fotoworkshop am historischen Ort
Oktober – November 2011

Der Verna-Park, nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten angelegt, ist die grüne Lunge der Stadt. Viele Menschen erfreuen sich an dem ehemals privaten Garten. Wer dort verweilt, kann zahlreiche typische Merkmale eines romantischen Landschaftsgartens entdecken. Das Wegesystem in geschwungenen Formen ist so eingerichtet, dass kein Ziel im Park ohne Umwege erreicht werden kann: Bepflanzungen mit Baum- und Buschgruppen wechseln mit immer wieder neuen reizvollen perspektivischen Durchblicken. Während der Betrachter auf verschlungenen Wegen durch den Park wandelt, entstehen Landschaftskompositionen im Kopf, vergleichbar der Landschaftsmalerei der Romantik. Diesem kulturellen Erbe spürte ein zweitägiger Foto-Workshop nach. In der Annäherung an diese Zeit gelang es, die gewohnte Sichtweise zu verändern, die Empfindungen und Eindrücke des herbstlichen Gartens fotografisch umzusetzen.
Die fotografische Suche wurde durch Margrit Stüber unterstützt, die hilfreiche Hinweise zur künstlerischen Umsetzung gab. Am zweiten Tag wurden die Ergebnisse vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Eine Ausstellung mit ausgesuchten Fotos bildete den Abschluss der Veranstaltung.

Nicht Ich – Über das Marionettentheater von Kleist.
Szenisches Konzert basierend auf dem Essay von Heinrich von Kleist
von Isabel Mundry und Jörg Weinöhl.
Deutsche Erstaufführung am 30. September 2011

Nach Ende der Renovierungsarbeiten erfüllte zeitgenössische Musik mit Tanz die neuen Räume des Südflügels. Die Komposition bezieht sich auf die Struktur und den Inhalt des Kleistschen Textes „Über das Marionettentheater“, doch handelt es sich nicht um eine Vertonung im traditionellen Sinne. Mit Mitteln der Musik, der Elektronik, der Sprache und des Tanzes bietet sie vielmehr verschiedenste Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch, Maschine, Kunst und Natur – ebenfalls bedeutende Inhalte in der Arbeit des Stadt- und Industriemuseums.