StadtMuseum inklusive

Aktionstag für Blinde und Sehbehinderte: Startschuss für Führungen mit allen SInnen

Zu einem Aktionstag für Blinde und Sehbehinderte lud das Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim am 17. August in die Festung ein. Mit Unterstützung des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen e. V. (BSBH) gestaltete das Museum zwei neue mehrsinnliche Führungsangebote, die jetzt Bestandteil seines ständigen Programms sind. Die Ausstellungen auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigung erlebbar zu machen, das war das Ziel dieser erfolgreichen Kooperation.

Zunächst begaben sich die Besucherinnen und Besucher, die aus ganz unterschiedlichen Regionen Hessens angereist waren, „Auf den Spuren der Landsknechte durch die Festung“. Die rund 17-köpfige Gruppe erkundete die Ausstellung zur Festungsgeschichte und hatte Gelegenheit, unterschiedlichste Exponate zu ertasten und in die Hand zu nehmen. Die Besucherinnen und Besucher erfühlten die steinernen Locken auf der Grabplatte des im 12. Jahrhundert verstorbenen Grafen Diether von Katzenelnbogen. Einen herrschaftlichen Tasselmantel, wie ihn Graf Diether auf seinem Grabdenkmal trägt, probierten die Museumsgäste anschließend sogar selbst an. Sie konnten die Schwere des Wollmantels auf den eigenen Schultern spüren, der nach mittelalterlichem Vorbild genäht war. Auch die frühere Kleidung und Bewaffnung der Landsknechte stießen auf großes Interesse. Wie viel wiegt eine Geschützkugel und wie fasst sich eine Hellebarde an? In der Wachtstube informierten sich die Gäste anhand von Repliken über einen häufigen Zeitvertreib der Wache haltenden Landsknechte: das Spielen und Rauchen.

Bei der zweiten Führung am Nachmittag „Von Werkbänken, Dampfmaschinen und Zichorienkaffee“ stand die Industriegeschichte vom Dorfschmied bis in die globalisierte Welt von heute auf dem Programm. Auf ihrer Reise durch die Zeit machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor der Werkstatt eines Dorfschmieds vor rund 150 Jahren Halt und lernten Teile seines vielfältigen Sortiments kennen. „Haarigen“ Geschichten aus Rüsselsheim begegneten sie bei der Manufaktur der alten Hasenhaarschneiderei, erfuhren von den harten Arbeitsbedingungen der jungen Frauen und konnten dabei sogar einen Zylinder aus echtem Hasenhaar ausprobieren. Und wer noch nie echten Zichorienkaffee gekostet hatte, bekam jetzt die Gelegenheit dazu – das Urteil der Gruppe über den Geschmack war geteilt. Zum Schluss erkundeten die Teilnehmenden noch die Folgen der Globalisierung anhand eines modernen Autositzes, der Bestandteile aus zehn Ländern in sich vereinigt.

Das Fazit des Blindenaktionstages war bei den Museumsgästen einhellig: Ein sehr interessanter Tag, den man gern wiederholen könnte.