Neues aus der Sammlung

Neues aus der Sammlung

Kalter Winter, kalter Landsknecht?

An bitterkalten Tagen ist es wohl ein Segen, sich in beheizten Räumen aufhalten zu können. Und auch im Museum ist es gut geheizt, auch wenn viele unserer Objekte es gar nicht so heiß und trocken mögen. Aber wie war das eigentlich zu Zeiten, als die Festung noch von Landsknechten bevölkert war?

Nun gab es damals weder das Museum noch ein Café und schon gar keine Zentralheizung. Wie die Rondelle und damit auch die überfüllten und spärlich ausgestatteten Wohnstätten der Landsknechte geheizt waren, wissen wir nicht genau. Im Schlossbau konnte der Landgraf bei seinen Besuchen die kalten Füße am Kachelofen wärmen. Dass die Kacheln dieser Öfen oft mit schönen Motiven gestaltet und in unterschiedlichen Farben glasiert wurden, darauf weisen ausgewählte Exponate in unserer Dauerausstellung hin. Allerdings haben wir auch noch ein schönes Exemplar in unserem Depot versteckt.
Es ist zwar nur das Fragment einer Blattkachel, aber es zeigt interessante Motive! Bei dem dargestellten „Mann mit Schwert und über ihm ein Wappen“ handelt es sich vermutlich um einen sächsischen Kurfürsten. Wie kommen wir darauf und warum haben wir in Hessen einen Sachsen auf dem Ofen?

Aufgrund der Kleidung lässt sich die Kachel in die Mitte des 16. Jahrhunderts datieren. Damals waren Übergewand (Umhang), Wams (die mittelalterliche Vorstufe einer Jacke) und Puffärmel ziemlich angesagt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich (geb. 1504, gest. 1554, Kurfürst von 1532 bis 1547, danach Fürst ohne Kurwürde) oder dessen Vater Johann. Darauf deutet das abgebildete Zeremonialschwert, die reiche Kleidung und vor allem das dargestellte Wappen hin, wenngleich das sächsische eigentlich über mehr Balken verfügt. Johann begründete den Schmalkaldischen Bund und sein Sohn Johann Friedrich führte mit Philipp dem Großmütigen von Hessen den Bund der evangelischen Fürsten im Schmalkaldischen Krieg an, weshalb er es vermutlich Wert war, auf einer Kachel in der hessischen Landesfestung abgebildet zu werden.