Neues aus der Sammlung

Neues aus der Sammlung

Frauenstark in Rüsselsheim!

Anlässlich des 8. März, dem Internationalen Frauentag, widmen wir diesen Beitrag dem Frauenzentrum Rüsselsheim und präsentieren ein besonders schönes Erinnerungsstück.

Mit der „Lust und Frust Dokumentation“ wurde 1985 das zehnjährige Bestehen des Rüsselsheimer Frauenforums gefeiert. Das Motto, das auch auf dem Objekt, ein weißes Tuch, mittig aufgedruckt ist, transportiert auf eindrucksvolle Art und Weise, die damalige Stimmung. Zehn Jahre hatten die Mitglieder des Frauenforums und weitere andere organisierte Fraueninitiativen zu diesem Zeitpunkt schon versucht, der Gleichberechtigung energisch eine Gasse zu bahnen. Manches war inzwischen erreicht, andere Ziele lagen 1985 und liegen noch heute in weiter Ferne.

Hier in Rüsselsheim fing wie auch anderenorts alles in den 70er Jahren mit der Kampagne um den §2181 an. Auf Abtreibung standen noch bis zu fünf Jahren Gefängnis, der Ehemann durfte als Familienvorstand über die Berufstätigkeit seiner Frau entscheiden und Berufstätige wurden als Rabenmütter abgestempelt. Auch in den neuen politischen und sozialen Bewegungen standen natürlich die Männer auf der Bühne, die Arbeit im Hintergrund leisteten vielfach die Frauen.

Exklusive Entwicklungsräume für Frauen, das war das Gebot der Stunde: 1975 dann gingen einige Aktivistinnen auf die Rüsselsheimer Volkshochschule zu, um ein Frauenforum ins Leben zu rufen. Die VHS ging auf die Forderungen ein und bald standen nicht mehr Koch- und Handarbeitskurse auf dem Frauenprogramm, sondern Gesprächskreise zu Themen wie „Frauen in der Geschichte“, „Frauen im Sozialismus“, „Frauen in der Arbeitswelt“, „Paragraph 218“ und „weibliche Sexualität“. Doch ein exklusiver Raum für solche Gesprächskreise und Bildungsprogramme, für die Arbeit an frauenpolitischen und gesellschaftlichen Themen und Aktionen fehlte einfach noch.

„Wir halten unseren Mund nicht mehr, es muss ein Frauenzentrum her“ so klang der Protestreim, mit dem die Rüsselsheimerinnen angemessene Rahmenbedingungen für ihre professionelle Arbeit einforderten. 1987 war es dann endlich soweit. Das autonome Frauenzentrum Rüsselsheim e.V. wurde gegründet. Seit nun schon 33 Jahren gibt es hier Programm für Frauen, sei es als Beratungsangebot oder in der Fort- und Weiterbildung. Aus der städtischen Kultur- und Bildungslandschaft und als gesellschaftliche Instanz ist es nicht mehr wegzudenken.

1997 zog das Zentrum in die größeren Räume im Landrat-Harth-Heim um. Selbstbewusst formulierten die Frauen inzwischen, was längst offensichtlich war: wir sind ein Aushängeschild der Stadt! Rüsselsheim hatte und hat, was die Frauenförderung anbelangt, nicht zuletzt dank des Zentrums einen guten Ruf.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Christel König, engagiertem Mitglied des Frauenvereins und Spenderin des Textilbanners.

1 Wer mehr über die Geschichte des §218 erfahren möchte: https://www.bpb.de/apuz/290795/kurze-geschichte-des-paragrafen-218-strafgesetzbuch?p=0