Neues aus der Sammlung

Neues aus der Sammlung

„Hopp, hopp, hopp, Startbahn stopp“ – dieser Schlachtruf der Demonstrant*innen kommt vielen jenseits der 45 beim Anblick des Polizeihelms als erstes in den Sinn. Kaum ein Ereignis in den letzten 40 Jahren hat sich so in das kollektive Gedächtnis der Menschen im Rhein-Main-Gebiet eingebrannt, wie der Kampf um den Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen. Für die einen ist er Symbol umstrittener Polizeieinsätze, für die anderen ein Hilfsmittel zum eigenen Schutz in der Auseinandersetzung mit gewaltbereiten Demonstranten.

Der neue Helm in der Museumssammlung gehörte seit Anfang der 1970er Jahre zur Ausrüstung der hessischen Polizei und war mit einem Rüsselsheimer Polizisten bei Demonstrationen gegen den Flughafenausbau im Einsatz.

1980 fiel die Entscheidung: Für den Bau der lang geplanten Startbahn West sollten 350 Hektar Wald gerodet werden. Diese Planungen riefen die Menschen in den umliegenden Gemeinden und dem ganzen Rhein-Main-Gebiet auf den Plan. Sie fühlten sich bedroht von Umweltzerstörung, Fluglärm und schlechter Luft. Eine breite Protestbewegung entstand. 1981 kam es zu mehreren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei. Im Oktober standen z.B. 10.000 Polizisten mehr als 10.000 Demonstrant*innen gegenüber. Das von Protestierenden im Waldstück beim Flughafen errichtete Hüttendorf wurde schließlich Anfang November 1981 unter großem Polizeiaufgebot geräumt und die provisorischen Holzhütten mit Baggern niedergerissen.

Auch manche vor Ort ansässigen Polizeibeamten waren unter den Kritikern der Startbahn und sahen sich im Dienst Angehörigen und Freunden auf der anderen Seite gegenüber. Durch viele Familien und Freundeskreise in der Region ging ein Riss.

Der Vorbesitzer des Museumshelms war allerdings wie andere Rüsselsheimer Polizisten auch oftmals „in der zweiten Reihe“ als Reserve eingeteilt. So sollten Konflikte zwischen dem protestierenden Nachwuchs auf der einen und ihren diensthabenden Vätern auf der anderen Seite vermieden werden. Die deutlichen Kratzspuren auf der Außenseite stammen denn auch nicht von der Auseinandersetzung mit Startbahngegner*innen, sondern vom manchmal robusten Umgang mit dem Helm.

Ein ablehnendes Urteil des Hessischen Staatsgerichtshofes ließ Ende November 1981 den Widerstand gegen den Bau der Startbahn West endgültig scheitern. Er lehnte eine mit 220.000 Unterschriften eingereichte Petition für ein Volksbegehren ab. Die Bauarbeiten konnten beginnen, in ihrem Verlauf wurden rund 370.000 Bäume gefällt.

Die weiteren Ausbauschritte am Frankfurter Flughafen haben in den folgenden Jahrzehnten kein vergleichbares Echo in der Bevölkerung ausgelöst, wenngleich der Protest gegen Fluglärm und Luftverschmutzung bis heute weitergeht.