Gib Stoff!

Was bietet die Ausstellung im Einzelnen?



  • Die ganze Welt aus Fasern: Entdeckerstationen laden ein zum Studium natürlicher und chemischer Fasern. Welche Tiere spenden ihr Fell für unsere Kleidung und welche – zum Teil auch unbekannten oder überraschenden Pflanzen – werden angebaut, um Textilien herzustellen? Einen endlosen Faden produzieren, das kann in der Natur die Seidenraupe, und die Textilchemie tut es ihr nach.

  • Eine der ältesten Kulturtechniken der Welt, das Weben, kann natürlich vor Ort direkt ausprobiert werden, an einem großen Ausstellungswebrahmen oder an einem echten Handwebstuhl. Kett- und Schussfaden, Bindung des Gewebes und die Redewendung „nach Strich und Faden“ – dazu gibt es hier Aufklärung.

  • Ohne Hut ging man(n) im 19. Jahrhundert nicht auf die Straße. Den Hut kann nur ziehen, wer einen hat. Dafür sorgten Hutfabriken, die einen großen Teil ihrer Produktion mit Filz bestritten – aus Hasenhaar z.B. Was es mit der Rüsselsheimer Hasenhaarschneiderei auf sich hatte, wie Filzen geht und was der Vorteil von gefilzten Materialien in Alltag und Technik ist, zeigen wir an unserer Station „Total verfilzt!“

  • Eine Masche an die nächste setzen, an einem großen Strickrahmen kann man dies ausprobieren und dann gleich einmal das Stricken nur mit den Fingern üben. Stricken und Netze knüpfen – auch diese alte Kulturtechnik ist wieder und immer noch aktuell – in Kunst- und Urban Knitting-Projekten, wie sie das Stadtmuseum begleitend initiiert hat.

  • Dass man mit Indigo das Jeans-Blau erzielt, weiß jedes Kind: Aber wer kennt Färberwaid und hat schon einmal ausprobiert, wie bunt die Welt allein mit Pflanzenfarben werden kann? In der Ausstellung heißt es „ran an den Topf mit der Färbelauge“ und ausprobieren. Hier kann man seine eigenen Farben kreieren und im Musterbuch hinterlassen. Und man erfährt, wie die Farbindustrie in der Rhein-Main-Region die Produktion farbiger Stoffe revolutionierte.

  • Muster auf Stoffe drucken – das geht heute einfach mit Digitaldruck. Aber wie hat man eigentlich früher Muster auf Stoff gebracht? An einer Medienstation kann man sein eigenes Muster entwerfen und vervielfältigen: gar nicht so einfach, wenn man es selbst ausprobiert!

  • Nähen mit der Maschine – das geht erst seit etwa 150 Jahren richtig gut. An einer echten alten Singer-Nähmaschine kann man ausprobieren, wie das ohne elektrischen Antrieb ging. Und natürlich zeigen wir, wie Adam Opel mit seiner Nähmaschinen-Fabrik in Rüsselsheim die Grundlagen für eine der zeitweise größten Fahrradfabriken der Welt und schließlich den Automobilstandort Rüsselsheim legte.

  • Ökologie und Nachhaltigkeit: Gekauft, hin und wieder getragen und weggeworfen, das ist das Schicksal vieler billiger Textilien in den Industriestaaten – zu welchem Preis? Die Ausstellung klärt auf und zeigt, wie es anders geht. Beispiele für einfaches Upcycling oder Textilrecycling für den eigenen Gebrauch können mitgenommen oder gleich in der Ausstellung ausprobiert werden.


    Zwischen den Hauptstationen finden sich vielerlei Stoffe zum Entdecken und Erfühlen. Wer weiß schon, dass wir auf der Autobahn auch über Stoffbahnen fahren. Dass Stoffe in der Automobilindustrie eingesetzt werden, kann man sich vorstellen, aber als Material für die Karosserie? Filter und Schallschutz – der modernen Verwendung von Textilien sind (fast) keine Grenzen gesetzt. Können „intelligente Stoffe“ denken oder was steckt sonst hinter diesem verheißungsvollen Begriff? Wie kann eine Hose vor der Verletzung durch eine Motorsäge schützen? Wofür sind Textilien noch nützlich und was ist ein Kleidungsstück mit Kampfgeist? Und nebenbei klären wir natürlich darüber auf, von woher die Nähmaschine nach Rüsselsheim kam und warum Blaufärber gut beraten waren, wenn sie viel Alkohol tranken.