"Sonntagsspaziergang" reloaded

Projekte

Lebenshungrig – wissensdurstig

Wer sich die letzten Tage in der Festung Rüsselsheim einfand, hat sie sicher schon entdeckt: eine Horde Grundschülerinnen und –schüler, die das historische Bauwerk an den Vormittagen unsicher macht. Die 20 Kinder aus den Rüsselsheimer Betreuungsschulen verbringen ihre Herbstferien unter dem Motto „Lebenshungrig – wissensdurstig“ im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim. Das Projekt findet im Rahmen des Förderprogramms Kulturkoffer des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst statt. Mit Hilfe des Förderprogramms möchte das Ministerium junge Menschen für Kultur begeistern. Unter den 60 Projektanträgern war auch das Rüsselsheimer Museum, das schließlich als eine von 28 Gruppen den Zuschlag für ihr Projekt rund um Nahrung und Ernährung erhielt.

Die allzeit verfügbare Versorgung mit Nahrungsmitteln erscheint heutzutage selbstverständlich. Im Supermarkt lässt sich alles Nötige und vieles mehr finden. Dass das nicht immer so war und dahinter auch heute noch aufwendige Prozesse und eine Menge Arbeit stecken, sollen die Mädchen und Jungen durch unterschiedlichste Aktivitäten selbst erfahren. Was kam eigentlich bei den früheren Festungsbewohnern – den Landsknechten – auf den Teller und in den Krug und warum ist das für uns heute so ungewöhnlich? Welche Vor- und Nachteile spielten Flüsse wie der Main bei der Beschaffung von Lebensmitteln und woher kommt eigentlich die Kartoffel? Diesen und weiteren spannenden Fragen wird in den zwei Wochen nachgegangen. Nicht nur in und um die Festung wird dabei geforscht: So besuchen die Schülerinnen und Schüler beispielsweise den Waldhof von Werner Stahl in Rüsselsheim-Bauschheim, der auf seinen Feldern 80 verschiedene Gemüsesorten anbaut. Als besonderes Highlight zeichnet sich der eigenhändige Bau zweier Lehm-Öfen, in dem anschließend eigenes Brot gebacken wird.

Die Erlebnisse, Entdeckungen und Erfahrungen werden dabei von den Schülerinnen und Schülern selbst auf Fotos festgehalten. Sie werden zum Abschluss des Projekts im Rahmen eines kleinen Festes auch den Eltern der teilnehmenden Kids präsentiert.

Gefördert von

Dingwelt.Klangstadt. Eine Kooperation von Musikschule Rüsselsheim und Stadt- und Industriemuseum.

Wie klingt Geschichte? Die Teilnehmenden zwischen 10-16 Jahren lassen sich im Museum Rüsselsheim von der Geschichte der Stadt und Industrie inspirieren und entwickeln unter Anleitung des Komponisten T. Köhler Motive, Klänge, melodische und rhythmische Strukturen, die am Ende zu einer tönenden Musikcollage zusammengesetzt werden. Im Herbst präsentieren die Teilnehmenden den Menschen ihrer Stadt die gemeinsam entwickelte Klangcollage. Die jungen Musiker_innen eröffnen neben dem Anschauen der Dingwelt im Museum neue Dimensionen der Klangwelt der Geschichte ihrer Stadt. Musikalischen Kreativität und das elementare Erleben von Musik stehen im Vordergrund des Projekts. Musik ist universell: Das Projekt ist offen für alle; das Spielen eines Instrumentes ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Phase 1, 17.09.2016, Museum: Ideensammlung der Teilnehmenden, danach Ausarbeitung durch den Komponisten.

Phase 2, 01.10.2016, Musikschule: Die Klänge, Melodien und Rhythmen werden zu einer klangvollen Collage zusammengesetzt.

Phase 3, 15.10.2016, Musikschule, Museum: Die Proben werden fortgesetzt, nochmaliger Besuch des Museums und Überprüfung der Ideen.

Phase 4, 29./30.10.2016, Museum, Musikschule: Intensiv-Workshop.

Phase 5, 05.11.2016, 17 und 19 Uhr, Museum: 2 Aufführungen des Werks.

Gefördert von

Bewegung wird Geschichte? Der Konflikt um die Startbahn West
Eine Zusammenarbeit des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim und des Historischen Seminars der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Als einzelne Bürgerinnen und Bürger zu Beginn der 1960er Jahre gegen den geplanten Ausbau des Frankfurter Flughafens initiativ wurden, war nicht absehbar, welches Konfliktpotential sich hier entwickeln würde. In den 1980er Jahren prägten die Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Fraktionen der Protestbewegung, politischen Parteien, Landesregierung, Polizei und Justiz die Debatten um gemeinschaftliche Güter und legitime Protestformen auch noch, als die Startbahn West 1984 längst eröffnet worden war. Sie mündeten in neuartige Strategien zur Konfliktbewältigung, aber der Ausbau des Flughafens findet kein Ende. Die Erinnerung an die bewegte Vergangenheit ist somit immer auch Teil gegenwärtiger Proteste. Darf man da von Zeitgeschichte sprechen? Oder ist die Startbahnbewegung nicht vielmehr Teil einer „hothistory“ – einer in der Gegenwart nicht abgeschlossener, mit Emotionen besetzter Geschichte? Im Rahmen quellenkundlicher Übungen beschäftigen sich Studierende der Universität Mainz zusammen mit dem Team vom Museum mit den verschiedenen Quellengattungen und einem bislang blinden Fleck der historischen Forschung: „Bewegung wird Geschichte? Der Konflikt um die Startbahn West“.Unter der Leitung von Dr. Freia Anders erhielten Studierende des Historischen Seminars im Laufe von zwei Semestern Einblicke in die Möglichkeiten, Zeitgeschichte zu erforschen.Ziel der Übungen war es, in die Arbeit mit zeithistorischen Archivalien, Zeitzeugen und musealen Exponaten einzuführen sowie an der Konzeption der Veranstaltungsreihe mitzuarbeiten. Erste Ergebnisse präsentierten die angehenden Historikerinnen und Historiker in den beiden Veranstaltungen Fiktionen neben Fakten: Eine literarische Reise durch die Protestgeschichte der Startbahn West am 1. Juni 2016 sowie beim „Sonntagsspaziergang“ reloaded am 5. Juni 2016.