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Mammuts am Main

Im Museum wächst die Abteilung zur Vor- und Frühgeschichte und zur Römerzeit

Zum Hessentag soll sich das Museum wieder komplett präsentieren. Dann wird es möglich sein, in der Festung einen Spaziergang durch 100.000 Jahre Rüsselsheimer Geschichte zu unternehmen. Rund um den Bauschheimer Brunnen im Obergeschoss des Südflügels der Festung wird bis zum Mai 2017 die neue archäologische Abteilung entstehen. Fachlich unterstützt die Archäologin Cornelia Moors M.A. das Museum bei der Vorbereitung der Ausstellung. Sie hat in Bochum studiert, im archäologischen Landesmuseum in Herne ihr Volontariat absolviert und ist für die Vorbereitung der neuen Abteilung von der Emscher an den Main gekommen. Zunächst wurden von ihr die archäologischen Bestände des Museums gesichtet. Beeindruckt war die junge Wissenschaftlerin von der Reichhaltigkeit der Sammlung, die von der Altsteinzeit bis zur Völkerwanderung viele interessante Stücke aufweist.

Bei der konzeptionellen Entwicklung hat das Vorbereitungsteam unter der Leitung von Museumsleiterin Dr. Bärbel Maul besonderes Augenmerk auf die Frage gerichtet, wie sich die Landschaft an der Mainmündung seit der letzten Eiszeit gewandelt hat – durch klimatische Einflüsse bedingt und durch Eingriffe des Menschen hervorgerufen. Noch vor 40.000 Jahren wanderten während einer ausgeprägten Kältephase Mammuts über die trockene Steppenlandschaft und die großen Herden jagdbaren Wildes bescherten den Eiszeitjägern reichliche Beute. Der Klimawandel am Ende der Altsteinzeit ließ in unserer Region einen lichten Wald aus Birken und Kiefern wachsen und zwang die Menschen zur Anpassung. Die Jagdtechnik änderte sich und mit ihr das Werkzeug, das dazu genutzt wurde. An einem der bedeutendsten Fundplätze für diese Phase der Menschheitsge¬schichte förderten die Archäologen in Rüsselsheim große Mengen von Steinwerkzeugen der sogenannten Federmesserkultur zu Tage, die für die Jagd mit Pfeil und Bogen genutzt wurden.

Seit der Jungsteinzeit war es der Mensch, der in die Landschaft zunehmend eingriff und ihr Erscheinungsbild veränderte. Zeugnisse der ersten Ackerbauern unserer Region werden sich in der Ausstellung ebenso finden wie bedeutende Relikte der Bronze- und Eisenzeit. Und natürlich haben auch die Römer ihre Spuren auf der Main-Spitze hinterlassen. Zu den schönsten Ausstellungsstücken zählt ein Bronzehelm mit Wangenklappen, der einem römischen Legionär gehört hat. Mindestens ein römisches Landgut muss es – darauf deutet die Fundlange hin – auf dem Rüsselsheimer Stadtgebiet gegeben haben. Auf den befestigten Römerstraßen zogen die Legionäre am Main entlang, um den Machtanspruch Roms durchzusetzen.

Tatkräftig unterstützt wird das Rüsselsheimer Projekt durch den Darmstädter Bezirksarchäologen Thomas Becker, der seiner jungen Kollegin nicht nur beratend zur Seite steht, sondern auch Objekte aus der Sammlung des Landesamtes für die Ausstellung beisteuert. Außerordentlich wertvoll ist auch die Mithilfe des Rüsselsheimer Hobbyarchäologen Jürgen Hubbert, der großzügig einige von ihm gefundene Objekte beisteuert. So wird ein von ihm ergrabener Hortfund dokumentieren, wie sich der Abzug der Römer auf die Sicherheit und den Warenverkehr auswirkte.

Die archäologische Abteilung wird am 19. Mai feierlich eröffnet. Zuvor wird es am 26. April erneute die Gelegenheit geben, dem Vorbereitungsteam bei einer „Baustellenführung“ über die Schuler zu blicken und zu sehen, wie eine solche archäologische Ausstellung entsteht. Im neuen Jahresprogramm, das ab Mitte Januar im Museums erhältlich ist, finden sich für das neue Jahr 2017 einige weitere Veranstaltungen zum Schwerpunkt Archäologie, darunter auch Vorführungen im Rahmen von experimenteller Archäologie, die dazu einladen, mitzumachen und frühe handwerkliche Techniken einmal selbst auszuprobieren.

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